Ich habe die Arbeitssuche und die Handarbeit kurz für ein paar Wochen zur Seite gelegt und mich einer ganz anderen Art von Arbeit gewidmet – das Pflanzen und Ernten von Möhren, Eutern und Gänsen …
Ja, das ist richtig. Im Rahmen der KO 13 im HAU 2 werden Singspiele von Schubert aufgeführt und ich singe in dem achtköpfigen Chor zum “Der vierjährige Posten” Alt und stelle eine Art Bäuerin dar.
Univocale macht als Chor beim Freischütz im Heimathafen mit. Seit Wochen wird gevictoriat, ge-u-hu-i-t, gejungfernt und gejägert…
Die Premiere ist schon ausverkauft. Für die Vorstellungen am 31. Mai und 26./28. Juni gibt es noch Karten. Mehr Informationen unter: http://www.freischuetz-im-heimathafen.de/
Dieses Mal singe ich (leider) nicht mit, aber dafür sitze ich im Publikum und höre zum ersten Mal das Collegium Musicum in der Berliner Philharmonie, das ist doch auch mal was…
2. Tag (20. Sept. ’09) – “Presto, presto! Presto!”
Nach einem freien Vormittag, bei dem wir die Gelegenheit hatten die nähere Umgebung von unserem Hotel zu erkunden, trafen wir den russischen Chor im Kloster und hatten unsere erste Probe. Das erste Treffen war mit einiger Verlegenheit begleitet und auf den ersten Blick prallten da zwei Welten aufeinander. Die russischen Frauen hatten alle Röcke und Oberteile mit langen Ärmeln an und manche trugen sogar einen Kopftuch. Unsere Mädels hingegen trugen fast alle Jeans und einige recht enge T-Shirts. Nur einige wenige von den Russen sprach flüssig Englisch, was die allgemeine Verlegenheit nur noch steigerte.
Doch als wir mit dem Singen begangen, löste sich die Spannung allmählich und über die gängige Begriffe der Musik konnte Christoph (unser Chorleiter) sogar fast problemlos die Dynamik oder das Tempo kommunizieren. So fanden wir z.B. heraus, dass wir “Mnogaja Ljeta” viel zu gemächlich sangen und es “Presto, presto, presto!” sein müsste. Christoph kam dabei wohl doch etwas ins Schwitzen und zusammen mit dem russischen Chor lachten wir über sein leicht angestrengtes Gesicht.
Ich musiziere schon seitdem ich in der Grundschule bin, aber im Wolgograd habe ich zum ersten Mal so intensiv erlebt, wie stark die Musik auch als Sprache zwischen den Menschen funktionieren kann. Da gründet man EU oder UNO, trifft sich andauernd bei irgendwelchen Gipfeltreffen und eigentlich braucht man nichts anderes zu tun als ein kleines Lied zu trillern und alle trillern mit… Natürlich ist das alles sehr naiv ausgedrückt, aber um an dieser Stelle Paul Hindemith zu zitieren:
Menschen, die gemeinsam Musik machen, können keine Feinde sein — zumindest nicht, solange die Musik andauert.
PS: da fällt mir ein, wenn wir schon bei dem Thema sind (und weil wir heutzutage so schrecklich interaktiv sind), ein sehr sehenswertes Video dazu wäre Where the hell is Matt? . Und spätestens jetzt kriege ich wieder ganz viel Fernweh!
Vor fast genau drei Jahren besuchte ich die Deutschland-Premiere von “The Veil of the Temple” – ein neunstündiges Musikwerk von Sir John Tavener. Die Aufführung fand im Hamburger Bahnhof statt, begann kurz nach 22 Uhr, zog sich über die ganze Nacht und endete am nächsten Morgen mit dem Sonnenaufgang um 7 Uhr.
Es war ein Erlebnis, welches mich tief beeindruckt hat und von dem ich heute – nach drei Jahren – immer noch zehre.
Nun lief auf ARTE eine Dokumentation über dieses Ereignis und hier ist der Trailer dazu:
Aus dem temporären Projektchor “univocale” ist ein langfristiges Chorprojekt geworden, mit regelmäßigen Proben und geplanten Konzerte.
Das nächste Konzert von “univocale” findet am 12. Dezember 2009 in der Kreuzkirche Schmargendorf (Ecke Hohenzollerndamm/Forckenbeckstr.) statt. Nach dem Motto: Come, all ye people – welcome the Lord! präsentieren wir unter der Leitung von Christoph Ostendorf “Weihnachtslieder aus aller Welt – vom 17. bis zum 20. Jahrhundert – von Michael Praetorius bis John Rutter.”