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Berlin-Wolgograd-Moskau-Berlin – ein Reisebericht, Teil 2

Posted by fei on Dec 25, 2009 in Musik, Reise

2. Tag (20. Sept. ’09) – “Presto, presto! Presto!”

Nach einem freien Vormittag, bei dem wir die Gelegenheit hatten die nähere Umgebung von unserem Hotel zu erkunden, trafen wir den russischen Chor im Kloster und hatten unsere erste Probe. Das erste Treffen war mit einiger Verlegenheit begleitet und auf den ersten Blick prallten da zwei Welten aufeinander. Die russischen Frauen hatten alle Röcke und Oberteile mit langen Ärmeln an und manche trugen sogar einen Kopftuch. Unsere Mädels hingegen trugen fast alle Jeans und einige recht enge T-Shirts. Nur einige wenige von den Russen sprach flüssig Englisch, was die allgemeine Verlegenheit nur noch steigerte.

Doch als wir mit dem Singen begangen, löste sich die Spannung allmählich und über die gängige Begriffe der Musik konnte Christoph (unser Chorleiter) sogar fast problemlos die Dynamik oder das Tempo kommunizieren. So fanden wir z.B. heraus, dass wir “Mnogaja Ljeta” viel zu gemächlich sangen und es “Presto, presto, presto!” sein müsste. Christoph kam dabei wohl doch etwas ins Schwitzen und zusammen mit dem russischen Chor lachten wir über sein leicht angestrengtes Gesicht.

Ich musiziere schon seitdem ich in der Grundschule bin, aber im Wolgograd habe ich zum ersten Mal so intensiv erlebt, wie stark die Musik auch als Sprache zwischen den Menschen funktionieren kann. Da gründet man EU oder UNO, trifft sich andauernd bei irgendwelchen Gipfeltreffen und eigentlich braucht man nichts anderes zu tun als ein kleines Lied zu trillern und alle trillern mit… Natürlich ist das alles sehr naiv ausgedrückt, aber um an dieser Stelle Paul Hindemith zu zitieren:

Menschen, die gemeinsam Musik machen, können keine Feinde sein — zumindest nicht, solange die Musik andauert.

PS: da fällt mir ein, wenn wir schon bei dem Thema sind (und weil wir heutzutage so schrecklich interaktiv sind), ein sehr sehenswertes Video dazu wäre Where the hell is Matt? . Und spätestens jetzt kriege ich wieder ganz viel Fernweh!

Fortsetzung folgt…

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